Erstes Erinnerungsstück kommt nach England

Die Nationalsozialisten nahmen Hans-Joachim Bünger bei seiner Verhaftung alle persönlichen Gegenstände ab – darunter auch einen schwarzen Stift. Diesen erhielt seine Familie nun in London zurück. Er selbst hatte dort nie gelebt.

Jüdische Herkunft als ein Verfolgungsgrund

Es war das erste Mal, dass wir im Rahmen von #StolenMemory ein Erinnerungstück nach England zurückgegeben haben. Hans-Joachim Bünger selbst hatte allerdings nie in Großbritanien gelebt: Er kam am 6. Mai 1920 in Leipzig zu Welt. Als junger Mann wird er Chemiker. Anfang der 1940er Jahre lebt er zusammen mit seinem Vater in Dresden. Sein Großvater mütterlicherseits war Jude, seine Großmutter Protestantin.

Am 26. Oktober 1943 nahm die Gestapo Dresden den damals 23-Jährigen fest und überführte ihn am 24. Februar 1944 in das Konzentrationslager Buchenwald. Dort registrierte ihn die SS als politischen „Schutzhäftling“ und als „Mischling 1. Grades“. Damit bezogen sie sich auf die jüdischen Wurzeln seiner Mutter. Bei seiner Verhaftung hatten die Nationalsozialisten Hans-Joachim Bünger alle persönlichen Gegenstände abgenommen – darunter ein schwarzer Stift mit Kappe.

Häftlingspersonalkarte von Hans-Joachim Bünger aus dem Konzentrationslager Buchenwald

Im Konzentrationslager Buchenwald leistete Hans-Joachim schwere körperliche Zwangsarbeit. Am 26. Oktober 1944 – genau ein Jahr nach seiner Inhaftierung – verschleppten ihn die Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Neuengamme in Hamburg.

Hans-Joachim Bünger überlebte die KZ-Haft und kehrte zuerst nach Ostdeutschland zurück. Später floh er nach Westdeutschland und ließ sich in Bielefeld nieder. Er heiratete, hatte aber keine Kinder.

Hans-Joachim Büngers Stift

Hans-Joachims Stift gelangte erst 1964 zusammen mit den persönlichen Gegenständen von rund 5.000 weiteren ehemaligen Häftlingen nach Bad Arolsen zum International Tracing Service. Da Hans-Joachim keine Kinder hatte, war es schwer seine Angehörigen aufzuspüren. Dank Nachforschungen in mehreren Archiven war es unserem Suchteam über das Portal My Heritage schließlich gelungen, im Februar 2023 Hans-Joachims Großnichte Rachel Wingert in London ausfindig zu machen. Rachel Wingert ist die Enkelin von Hans-Joachims Onkel mütterlicherseits. Sie erinnert sich an Hans-Joachim Bünger. Bei einem Besuch hatte sie ihn und seine Ehefrau in den 1970er Jahren in London kennengelernt.

Bewegende Rückgabe in London

Die Übergabezeremonie erfolgte am 23. November in den Räumen der Wiener Holocaust Library in London. Eingeladen hatten die Direktorin der Arolsen Archives, Floriane Azoulay, Dr. Toby Simpson, der Direktor der Wiener Holocaust Library, und Lord Eric Pickles, UK-Sonderbeauftragter für Post-Holocaust-Fragen und Vertreter des Vereinigten Königreichs im Internationalen Ausschuss der Arolsen Archives.

Rachel Wingert war sehr gerührt, dass so viele Menschen gekommen waren, um Hans-Joachim Büngers Geschichte zu hören. Es bewegte sie sehr, seinen Stift persönlich entgegenzunehmen. „Es ist sehr wichtig, dass die Arolsen Archives den Stift für so viele Jahre sicher aufbewahrten, obwohl die Deutschen ihm den Stift abgenommen hatten“, so Rachel Wingert bei der Übergabe.

Rachel Wingert bei der Übergabe in London

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