Erinnerungsstücke des KZ-Häftlings Francis Poguet an Familie zurückgegeben

Die Angehörigen von Francis Poguet haben den letzten Besitz des ehemaligen KZ-Häftlings von den Arolsen Archives zurückerhalten. Der Franzose starb kurz vor Kriegsende im bereits befreiten Konzentrationslager Bergen-Belsen im Alter von 37 Jahren. Er hinterließ eine Börse, einen Schlüssel, eine Karteikarte und eine Erkennungsmarke aus Compiegne, auf dem seine Registrierungsnummer vermerkt ist.

Aus den Unterlagen der Arolsen Archives geht hervor, dass die Nationalsozialisten Francis Poguet zu einem unbekannten Zeitpunkt im Durchgangslager Compiègne internierten und dort die Häftlingsnummer 36.389 gaben. Der Grund seiner Verhaftung ist unklar. Bekannt ist indes, dass die Nationalsozialisten ihn im Juni 1944 in das Konzentrationslager Neuengamme überstellten. Dort musste er seine persönlichen Gegenstände abgeben und Zwangsarbeit leisten.

13.000 KZ-Häftlinge starben nach der Befreiung

Als die alliierten Truppen im April 1945 näher rückten, räumte die SS das Lager und schickte die überlebenden Häftlinge auf einen Todesmarsch in Richtung Bergen-Belsen. Wann Poguet dort ankam ist unklar. Auch sein Todestag konnte nicht genau geklärt, sondern nur eingegrenzt werden: Er starb zwischen dem 19. April und dem 1. Mai 1945, also nach der Befreiung der Inhaftierten durch britische Truppen. Viele Häftlinge waren beim Eintreffen der Briten durch die unmenschlichen Haftbedingungen und die fast völlig fehlende Hygiene körperlich geschwächt. Deshalb starben nach der Befreiung noch rund 13.000 Menschen in Bergen-Belsen an Krankheiten, die eine direkte Folge der Behandlung durch das NS-Regime waren. So gab es etwa Ausbrüche von Typhus und Fleckenfieber.

Rund 13.000 Häftlinge starben nach ihrer Befreiung in Bergen-Belsen, weil sie in Folge der Behandlung durch die Nationalsozialisten krank wurden. (Foto: United States Holocaust Memorial Museum, 75122)

In den Dokumenten der Arolsen Archives ist vermerkt, dass Francis Poguet in Bone (Algerien) geboren wurde. Sein Vater war dort als Befehlshaber der französischen Kolonialtruppen stationiert. Francis Poguet hatte hatte drei Geschwister und war zum Zeitpunkt seiner Eheschließung im Jahr 1933 Koch in Cannes. Gewohnt hat er wie seine Eltern in Chambéry (Savoie).

Die Nichte möchte mit ihrer Reise das Andenken ihres Onkels ehren

Für die Rückgabe der Erinnerungsstücke kamen zwei Neffen und die Nichte von Francis Poguet nach Bad Arolsen. „Als ich von der Effekte meines Onkels erfuhr, war für mich sofort klar, dass ich sie persönlich abholen möchte“, sagt Hélène Poguet. Denn: „Mit dieser Reise möchte ich das Andenken meines Onkels ehren.“ Hélène war von einem belgischen Freiwilligen der Arolsen Archives als Nachfahrin identifiziert worden. Daraufhin begann die Familie, sich mit dem Leben des bis dahin unbekannten Onkels näher zu beschäftigen. So fand sie heraus, dass Francis Poguet verheiratet war, aber keine Kinder hatte.

Francis Poguet (rechts) auf einem Foto aus dem Jahr 1932, das seine Nachfahren in einem Familienalbum fanden.

Was soll mit den Erinnerungsstücken passieren?

Bernard Lebeau, Neffe von Francis Poguet, ist dankbar für die zurückgegebenen Erinnerungsstücke. „Mit dieser Rückgabe habe ich auch einen Onkel gefunden“, sagt er. Denn vor der überraschenden Nachricht war in der Familie kaum über den geheimnisvollen Verwandten gesprochen worden. Das hat sich nun verändert. Seit der Übergabe in Bad Arolsen diskutiert die Familie darüber, was mit den Gegenständen passieren soll. „Wir können uns vorstellen, die Effekten als Leihgabe an ein Museum oder eine Gedenkstätte zu geben“, sagt Hélène Poguet. Denkbar sei aber auch, die Stücke in das Familiengrab zu legen. Ihr ehemaliger Besitzer Franics Poguet wurde in Bergen-Belsen in einem Massengrab anonym beerdigt. „Wenn wir nun seine Erinnerungsstück in das Familiengrab bringen, würde ihm das auch ein Stück seiner Würde zurückgeben“, sagt Hélène Poguet.

Übergabe der Erinnerungsstücke in Bad Arolsen (v.l.n.r.): Nathalie Letierce-Liebig von den Arolsen Archives, Philippe Lebeau, Bernard Lebeau und Hélène Poguet.

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