Tour wird ausgeweitet: Rieseninteresse an #StolenMemory in der Ukraine
Die #StolenMemory-Ausstellung, die derzeit durch die Ukraine tourt, trifft auf überwältigend großes Interesse. Statt an fünf Stationen wird sie bis Jahresende an 17 Orten gezeigt – trotz schwieriger Bedingungen im Land. Russland greift die Ukraine weiterhin massiv an. Die Wanderausstellung in besonderem Roll-up- bzw. Plakatformat wird vom Auswärtigen Amt finanziert. Im Zentrum steht die Suche nach Familien von ukrainischen NS-Verfolgten, für die die Arolsen Archives persönliche Gegenstände verwahren. Mit Erfolg: Eine Familie konnte gefunden werden.
„Das Interesse ist überwältigend, auch wurden Laufzeiten an den bisherigen Stationen verlängert, das Interesse ist sehr groß“, erklärt Anna Meier-Osinski, Outreach-Managerin der Arolsen Archives für die Region Zentral- und Osteuropa. Zuletzt hat die #StolenMemory-Ausstellung im Chmelnyzkyj Regionalmuseum gastiert. Am 11. Mai wurde sie eröffnet, als neunte Location seit Anfang des Jahres.
„Der verdammte Krieg plant nicht. Der verdammte Krieg kennt kein Mitleid. Der verdammte Krieg trennt. Der verdammte Krieg tötet!“ Auszug aus „Der verfluchte Krieg“ von Svitlana Kryzhanovska, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Regionalmuseums in Khmelnytskyi. Vorgetragen bei der Eröffnung am 11. Mai.
Im Mai war die Ausstellung zeitgleich an noch zwei weiteren Orten zu sehen: Im Museum für Stadtgeschichte in Kamjanske und im Gymnasium Lyzeum Nr. 1 in Schaschkiw. Möglich ist dies, da die Poster bzw. Rollups der Wanderausstellung in mehrfacher Ausführung durch die Ukraine touren. Organisiert wird die Tour in Kooperation mit der NGO Kyiv Educational Center TolerSpace. Für den Spätsommer und Herbst sind weitere Termine und Stationen ausgemacht. Das sind fast dreimal so viel Stationen, wie ursprünglich geplant.
Dabei war die Tour nach einem erfolgreichen Start in Lwiw unter äußerst schlechten Vorzeichen gestartet: Die für den 2. Februar 2026 geplante Eröffnung der zweiten Station in der staatlichen Sabolotnyj-Bibliothek musste abgesagt werden. Massive Schäden durch gezielte russische Angriffe auf die Energieinfrastruktur in Kyjiw hatten die Ausstellung zu diesem Zeitpunkt unmöglich gemacht. „Wenn man selbst in einer Zeit des Krieges lebt, einer Zeit, die jeden Tag Tod, Schmerz und menschliches Leid mit sich bringt, versteht man vielleicht erst richtig, worum es in der Ausstellung geht“, hatte Natalia Svitla, Direktorin der Bibliothek, in einem Interview zu ihrer Entscheidung erklärt, an der Ausstellung dennoch festzuhalten.
Sechs Schicksale stellvertretend für 70 NS-Verfolgte
Mittlerweile konnte die Plakatausstellung auch in Kyjiw gezeigt werden. Sie schildert das Schicksal von sechs ukrainischen NS-Verfolgten, ordnet sie in einen historischen Kontext ein und zeigt Fotos ihrer persönlichen Gegenstände – Effekten aus Konzentrationslagern. Die Arolsen Archives verwahren sie seit den 1960er Jahren. 70 davon stammen von Menschen aus der heutigen Ukraine. Es sind zum Beispiel Familienfotos, Schmuck, Ringe, Brieftaschen oder Uhren. Ziel ist es, sie an die rechtmäßigen Erben zurückzugeben. Zum Beispiel die Taschenuhr von Volodymyr Zaplantynskyi, geboren in Stryj, dem Ort, an dem die Ausstellung im März gastierte.
Volodymyr wurde als junger Mann von den deutschen Besatzern zur Zwangsarbeit nach Hamburg verschleppt. Zwischen Dezember 1944 und Februar 1945 war er im Konzentrationslager Neuengamme inhaftiert. Dort wurde ihm seine Taschenuhr abgenommen. Im Innern zeigt sie eine Fotocollage aus mehreren Porträts. Dank der Ausstellung wird sie nun an die Familie zurückkehren. Aufmerksam geworden durch die begleitende Pressearbeit vor Ort, haben sich Angehörige bei den Arolsen Archives gemeldet. „Das hat uns besonders gefreut. Es war der erste Sucherfolg seit Jahren in der Ukraine!“, sagt Outreach-Managerin Anna, die sich herzlich bei allen bedankt, die #StolenMemory in der Ukraine unterstützen und überhaupt möglich machen.
Wanderausstellung #StolenMemory
#StolenMemory weckt seit 2020 mit einer Wanderausstellung in Überseecontainern europaweit Interesse an der Angehörigensuche. In der Ukraine konnte der Container wegen des Krieges bisher nicht touren. Daher haben die Arolsen Archives gemeinsam mit ihrem ukrainischen Projektpartner, der NGO TolerSpace, eine Plakatausstellung entwickelt. Sie erzählt erstmals die Geschichten von sechs Ukrainer*innen und ihrer persönlichen Gegenstände. Die Ausstellung, finanziert vom Auswärtigen Amt, tourt seit Anfang 2026 im Land. Ziel ist es, persönliche Gegenstände ehemaliger KZ-Häftlinge an ihre rechtmäßigen Besitzer*innen zurückzugeben.